Winter Games für 8bit-Computer: Rütteln, bis der Joystick qualmt

8. Februar 2010

Deutschland in den späten achtziger Jahren, die Olympischen Winterspiele von Calgary stehen vor der Tür, der PC ist noch ein sündhaft teures Bürogerät, in den Zimmern der Computerfreaks stehen vorwiegend 8-bit-Computer: Tapfer kämpft sich der Biathlet durch den Schnee, er ist erschöpft, fix und fertig. Und jetzt soll er auch diesen verdammten Berg hoch. Das will zumindest dieser Typ am Bildschirm, der nicht kapiert, das die Reserven aufgebraucht sind. Rüttelt wie blöde am Joystick, dem Competition Pro mit den hörbar klickenden Tasten. Aussichtslos.

Erst als der Besitzer des Schneider, pardon Amstrad CPCs, Grünmonitor, 3-Zoll-Diskettenlaufwerk, sich besinnt und langsam den Knüppel des Competition mal nach links, dann nach rechts bewegt, reißt auch unser Biathlet am Bildschirm sich zusammen, setzt seine Skistöcke abwechselnd nach vorne, gewinnt Fahrt - und saust schließlich mit Karacho die Höhen rauf und runter, der Ziellinie entgegen. Kein Sieg, aber immerhin die Disziplin geschafft.

Winter Games” (Epyx, 1986-1988, Umsetzungen für C64, dann verschiedene 8-bit-Computer, Amiga und Atari ST) mag uralt sein, seine Grafik gemessen an heutigen Maßstäben lächerlich pixelig, die Zahl kaputtgerüttelter Controller zu hoch - sein Spielprinzip ist bis heute gültig: Wo echte Schanzenspringer mit mulmigem Gefühl in die Tiefe schauen, nehmen Konsolen- und PC-Besitzer einen Controller in die Hand, drücken hier und dort Knöpfe, um die Kurve zu meistern oder einen perfekten Sprung auszulösen - und hämmern manchmal auf eben diese Knöpfe, um auf Schnee und Eis an Fahrt zu gewinnen. Oder einen Berg hinaufzukraxeln.

Genau deswegen dürfte das alte “Winter Games”, das hinsichtlich Steuerung den “Summer Games”, “World Games” oder “California Games” aus gleichem Haus ähnelt, auch über 20 Jahre nach seinem Erscheinen noch für Spielfreude sorgen - wenn es denn noch auf einem normalen Rechner laufen sollte.  

Zurück in die achtziger Jahre: Winter Games bot mehrere Disziplinen zur Auswahl an. Legendär der Eiskunstlauf, bei dem es galt, die perfekte Pirouette auf dem Eis zu springen, ohne anschließend unsanft auf dem glatten Eisparkett zu landen. Legendär auch der Biathlon-Trip. Dabei lief die Spielfigur immer von links nach rechts, Berg rauf und wieder runter. War der rechts Bildschirmrand erreicht, gab es einen Seitenwechsel und man fing wieder auf der linken Seite an. Und der Schanzensprung war was für Besitzer einer Brille: Auf einer Miniatur-Rampe nahm der Spieler Anlauf (ebenfalls von der Seite betrachtet), sobald er aber abhob, konnte man in einer Art Lupenfenster den Spieler sehr genau beobachten.

Das war aber kein Spiel für einsame Herzen, Winter Games machte eigentlich nur im Mehrspielermodus Spaß - der glücklicherweise eingebaut war. Und auch das gilt im Prinzip für alle seine Nachfolger. Miguel Castro


Gravity Force (Amiga)

13. Dezember 2009

Wer sagt denn, dass gute Spiele komplex sein müssen? Dass eine einfache Spielidee für unumschränkten Spielespaß (alleine und zu zweit) sorgen kann, bewies das Spiel “Gravity Force” (Kingsoft), als es 1989 erstmals für den Amiga500 auf den Markt kam - und sich eine treue Fangemeinde schuf. Die Spielidee: Mittels eines Raumgleiters muss der Spieler auf einem zweidimensionalen Spielfeld Lasten abholen und zum Heimatflughafen bringen. Dummerweise gibt es dabei einige Gegner (nennen wir sie mal “Außerirdische”), die aus fest montierten Geschützen und umherschwebenden Raumschiffen ballern oder nur einem den Weg versperren und deshalb mit gezielten Schüssen zerstört werden können - aber nicht unbedingt müssen, denn theoretisch könnte man viele Level des Spiels auch mit geschickten Ausweichmanövern zu Ende bringen.

Das allerdings ist alles andere als harmlos - die entscheidende Hürde bei Gravity Force ist nicht des Gegners Feuerkraft, sondern die Schwerkraft, die euer Schiff kontinuierlich nach unten zieht. Der Spieler ist also pausenlos beschäftigt, in den teils sehr engen Höhlen des Spielfeldes auf die Gegner zu achten, nicht gegen die Felsenwände zu krachen - und durch sorgfältig dosierten Schub seiner Schiffsturbinen die Balance zu halten.

Das erfordert Geschick und Fingerspitzengefühl, um heil und sicher die Lasten nach Hause zu bringen - die zudem mit ihrem Gewicht das Manövrieren des Schiffes massiv erschweren. Nicht genug damit, hält der Treibstoff nur eine begrenzte Zeit, regelmäßig muss also der Heimatflughafen angeflogen werden.

Was inhaltlich toll daherkommt, ist grafisch hingegen alles andere als eine Wucht: Gravity Force war schon 1989 diesbezüglich nicht state-of-the-art: Das Raumschiff bestand aus dürren Strichlinien, die Felswände und gegnerischen Raumschiffe erinnerten an in Basic programmierte Standardklötzchen. Macht nichts. Das Spiel macht süchtig - insbesondere auch dann, wenn sich ein zweiter Spieler zum direkten Duell an den Bildschirm setzte. Dann waren Außerirdische und Lastaufträge Nebensache.

PS: Sowohl im Internet als auch für die Playstation 3 gibt es würdige Nachfolger von Gravity Force: Online steht eine Freeware-Version des Spiels namens “Gravity Strike” für PC-Computer zur Verfügung. Für die Highend-Konsole von Sony gibt es seit Ende November “Gravity Crash” im Playstation Network als Download-Spiel zu kaufen. Trotz der Grafikpower der PS3 orientiert sich das Spiel optisch an seinem legendären Vorgänger, setzt überhaupt konsequent auf einen Retro-Stil, ist alles andere als leicht - macht aber einen Riesenspaß.

PS: Screenshots und mehr Infos zum alten GravityForce gibt es auf der Seite von lemonamiga.com und auf thelegacy.de.


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